good morning
gud MOR-ningGuten Morgen
Guten Morgen hat bei uns ein enges Zeitfenster. Wer um zehn noch damit ins Geschäft kommt, erntet höchstens ein Lächeln; ab da übernimmt Grüß Gott, das zu jeder Tageszeit passt. Im Dialekt wird daraus Guadn Moang oder einfach Moang. Andere Sprachen ziehen die Grenze völlig woanders: Manche lassen den Morgengruß bis in den Nachmittag laufen, manche haben gar kein eigenes Wort für den Morgen und behelfen sich mit dem Tag.
good morning
gud MOR-ningGuten Morgen
Im Spanischen reicht buenos días bis zum Mittagessen, und das ist dort später als bei uns – vor drei Uhr nachmittags ist der Tag sprachlich noch jung. Das portugiesische bom dia deckt ähnlich viel ab und heißt wörtlich guter Tag, nicht guter Morgen. Im Griechischen läuft καλημέρα ebenfalls weit in den Tag hinein, während unser Guten Morgen spätestens mit dem Vormittag endet.
Bei uns springt man danach nicht auf einen Mittagsgruß um, sondern auf Grüß Gott; Guten Tag klingt in Österreich gedruckt oder norddeutsch. Genau diese Lücke macht das Polnische interessant: dzień dobry rano nennt den Morgen ausdrücklich, weil die neutrale Form sonst den ganzen Tag abdeckt und für den frühen Vormittag zu unbestimmt wäre.
Die slawischen Sprachen bauen den Gruß durchsichtig: dobro jutro im Kroatischen, доброе утро im Russischen, добро утро im Bulgarischen – überall gut plus Morgen. Das Ukrainische доброго ранку fällt aus der Reihe, weil es im Genitiv steht: wörtlich eines guten Morgens, ein Rest des vollständigen Wunsches, von dem das Verb verschwunden ist.
Das türkische günaydın ist ein zusammengezogener Satz: gün heißt Tag, aydın hell, also der Tag ist hell. Im Arabischen steht صَبَاحُ الْخَيْرِ, Morgen des Guten, mit einer Genitivverbindung, die sich im Deutschen nur umständlich nachbauen lässt. Und das japanische おはようございます enthält am Ende eine Höflichkeitsform, die man unter Freunden weglässt.
Das kroatische dobro jutro ist mit gerolltem r und deutschem j gut zu treffen. Schwieriger wird es im Rumänischen: bună dimineața enthält mit ă einen dumpfen Vokal ohne deutsche Entsprechung und mit ț ein hartes ts. Wer das ă wie ein offenes a spricht, wird zwar verstanden, klingt aber unüberhörbar nach Lehrbuch.
Im Arabischen und im Syrischen beginnt der Gruß mit einem emphatischen ṣ, das mit gesenkter Zunge gebildet wird und die Nachbarvokale dunkler färbt; in der Mitte folgt wieder der Rachenlaut ḥ. Im Chinesischen entscheidet bei 早上好 die Tonführung, und die Silbe vor einem weiteren tiefen Ton wird angehoben – dieselbe Regel, die auch bei anderen Grußformeln greift.
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